Vita – Herbert Bonewitz

Vita Herbert Bonewitz (hier seine Autobiographie)

Herbert Bonewitz, geboren am 9.11.1933 in Mainz, ist aufgewachsen am Neubrunnenplatz, besuchte von 1940-44 die Volksschule und das Peter-Cornelius-Konservatorium zum Klavierunterricht, danach das naturwissenschaftliche Gymnasium, das heutige „Schlossgymnasium“.

Als „Domspatz" sang er von 1942 bis 1945 im Mainzer Domchor. Am 27. Februar 1945 bei dem verheerenden Fliegerangriff auf Mainz ausgebombt, zog die Familie nach Gonsenheim zu seinen Großeltern. Nach Kriegsende wurde der Unterricht im Schlossgymnasium fortgesetzt bis zum Abitur 1953.

An der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität studierte er zunächst Jura, dann Psychologie und Publizistik, beschloss aber dann doch lieber ins Werbe-Fach zu wechseln. Er absolvierte eine kaufmännische Lehre bei „Blendax“ und war danach vorübergehend als Reisender im Außendienst tätig.

Nach Feierabend studierte er beim Fernlehrinstitut Hamburg „Werbung und Public Relations“ sowie „Grafik-Design“ in Darmstadt. 1959 trat er beim Mainzer Hygienepapier-Hersteller „Hakle“ als Werbeassistent ein, wo er ab 1960 auch als Redakteur, Fotograf, Layouter, Autor und Grafiker die Hakle-Hauszeitschrift „Die Rolle“ gestaltete. 1968 wurde er zum Prokuristen und Werbeleiter ernannt.

In seiner Jugendzeit war er bereits tätig gewesen als Glossenschreiber, Verseschmied und Karikaturist. Nebenher jobbte er auch als Jazzpianist in amerikanischen Offiziersclubs und in Tanzkapellen, sowie als Arrangeur und Klavierbegleiter von Chören, Balletts und Gesangssolisten. Sportlich betätigte er sich auf der Judo-Matte, als Leichtathlet, beim Bodenturnen und spielte mehrere Jahre beim SV 1919 Gonsenheim als Handballtorwart.

1956 lernte er seine Frau Barbara kennen, die mit ihrer Familie aus der damaligen DDR geflüchtet war. Geheiratet haben die beiden 1958. Tochter Ulrike kam 1959 zur Welt und 1961 Sohn Michael. Mittlerweile hat sich die Familie erweitert um einen Enkelsohn, drei Enkeltöchter und drei Urenkel.

Bereits ab 1950 trat er in der Mainzer Fastnacht in Erscheinung: zuerst als Pianist beim Gonsenheimer Carneval-Verein (GCV), dann 1953 mit seinem Gesangstrio

„Die Dippelbrüder“ beim Mainzer Carneval-Verein (MCV), wo er 1955 bei der ersten Fernsehsitzung als „Musikalclown“ am Flügel sein Debüt gab.

1953 übernahm er die musikalische Leitung der „Gonsbach-Lerchen“, bei denen er bis 1985 einer der Hauptakteure auf und hinter der Bühne war. Er schrieb nicht nur die Arrangements für die Potpourris und studierte sie dem Chor ein, sondern inszenierte die Shows und entwarf die Masken, Kostüme und Bühnenbilder.

Beim MCV stand er bis 1967 und beim GCV bis 1983 als einer der populärsten „Spitzen-Redner“ seiner Zeit auf der Bühne und war eine der publikumswirksamsten Attraktionen alljährlich bei den Fernsehsitzungen aus Mainz. Unvergessen sein Auftritt 1974 als „Prinz Bibi“. Vor allem ist er bekannt geworden als origineller „Kritiker der eigenen Zunft“ und wurde von den jeweils „Betroffenen“ beschimpft als „Nestbeschmutzer“ - was er jedoch stolz als „Ehrentitel“ betrachtete.

Erst Jahre später wurde er zum „Ehren-Aktiven“ des MCV, 1997 vom GCV zum „Ehrenmitglied“ und im Jahre 2000 zum „Ehren-Aktiven“ ernannt. Von der Füsiliergarde Gonsenheim, für die er in den Anfangsjahren als Gestalter von Orden, Armeebefehlen sowie als Mitwirkender bei Sitzungen tätig war, wurde er 2009 für 50-jährige Mitgliedschaft geehrt.

Publizistisch war er ab 1966 tätig als Autor von Glossen und Gedichten, sowie als Zeichner von Illustrationen und Karikaturen  unter anderem auch mit regelmäßigen Serien für die Allgemeine Zeitung Mainz  so zum Beispiel zwei Jahre lang als Karikaturist für die Glosse „Mit spitzer Feder“.

Von 1989 bis 1994 erschien in der AZ seine Comic-Reihe: „Sehn Se, des is määnzerisch!“, in der er aktuelle lokale Ereignisse karikierend glossierte und originelle Dialektausdrücke reimend übersetzte und mit Cartoons illustrierte. Die Reihe wurde später in den Mainz Vierteljahresheften fortgeführt.

Von 1992 bis 2003 erschien seine monatliche Glosse „Das Allerletzte“ mit aktuellen satirischen Kommentaren und Zeichnungen in der Stadtillustrierten „Der Mainzer“. Seit 1981 liefert er regelmäßig Beiträge für die renommierten „Mainz Vierteljahreshefte“ und seit 1984 für die „Narrhalla“, die traditionsreiche Karnevalszeitung des MCV.

Sein Einstieg in die Kabarettszene erfolgte 1975 im Mainzer Forumtheater „unterhaus“ mit seinem Zwei-Stunden-Soloprogramm „Ein Narr packt aus“, dem im Laufe der Jahrzehnte 16 weitere Programme folgten. Die Texte und die Musik zu seinen Liedern stammen ausnahmslos alle aus seiner Feder. Darüber hinaus inszenierte er seine Auftritte ebenfalls alle selbst. Seine Spezialität war ein gesellschaftskritisches, dialekt-betontes Volkskabarett - nach dem Motto: „Dem Volk aufs Maul schauen, aber ihm nie nach dem Munde reden!“

1983 nahm er einen Berufswechsel vor: Er kündigte bei Hakle und machte sich selbstständig als freiberuflicher Satiriker. Danach war er hauptsächlich tätig als Kabarettist, reiste mit seinen Solo-Programmen auf Tournee durch die Bundesrepublik, wobei seine Frau Bärbel als Organisatorin, Managerin und „Tournee-Roadie“ fungierte. Zwischendurch erfolgten sporadisch satirische Auftritte zu speziellen Anlässen, sowie in Funk- und Fernsehsendungen.

Anlässlich seines 50. Geburtstages erhielt er 1983 im Namen der Stadt Mainz von Oberbürgermeister Jockel Fuchs die Rheingoldplakette und bei seinem 60. Geburtstag von Oberbürgermeister Herman-Hartmut Weyel im Jahre 1993 die Gutenbergplakette. In der Kampagne 1997 ernannten ihn die Stammtischfastnachter „Die Allerscheenste“ als Nachfolger von Jockel Fuchs zum „Aller-Allerscheensten“. Am 10. Dezember 2002 verlieh ihm der Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz Kurt Beck das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Nach seinem Abschied von der Kabarettbühne im Jahre 2001 wurde ihm vom Mainzer „unterhaus“ bei seinem letzten Auftritt die „Ehrenglocke“ überreicht - verbunden mit besonderem Dank für stets ausverkaufte Vorstellungen im Laufe seiner 25-jährigen Kabaretttätigkeit. Zu diesem Zeitpunkt trat er nur noch ganz selten auf und zwar überwiegend bei Benefiz-Veranstaltungen, mit Lesungen aus seinen Büchern und zu besonders relevanten Anlässen.

Sichtbarer Ausdruck seines Engagements für die Belange der Öffentlichkeit waren die beiden Narrenfiguren aus Bronze, die er auf Wunsch des Vereins „Schöneres Gonsenheim“ entworfen hat und die seit 1998 auf dem Vorplatz zur großen Turnhalle stehen: der „Komiteeter“ und der „Till“.

Ebenfalls aus seiner Feder stammt der Entwurf für ein Bronzedenkmal mit der Symbolfigur des GCV, der „Schnorreswackler“ mit „Gonsbach-Lerche“ und Füsiliergarde-Hut im Arm - ein Symbol für die so genannte „Närrische Achse“. Er steht seit 2002, dem Vorjahr des 111-jährigen GCV-Jubiläums, auf dem Platz vor der VR-Bank in Gonsenheim.

Hauptsächlich war Herbert Bonewitz zuletzt als Publizist tätig und hat bis dato insgesamt sieben satirische Bücher veröffentlicht  fünf davon im Verlag seines Sohnes Michael. Größtenteils vergriffen sind seit Jahren einige Langspielplatten mit Fastnachtsvorträgen und Kabarettauftritten, sowie eine CD: „Ausgewählte Sketche und Songs“.

Sein erstes Buch mit kabarettistischen und fastnachtlichen Texten sowie mit Karikaturen erschien im Jahre 1993 unter dem Titel „Typisch Bonewitz - Satiren von B bis Z“. Seine autobiografische Broschüre „Zwischen allen Stilen“ kam im Jahre 2000 heraus - anlässlich seines 50-jährigen Bühnenjubiläums. Ins Määnzerische übersetzte er 2001 den Comic-Band „Asterix und der Kupferkessel“ mit dem Titel „Kuddelmuddel ums Kupperdibbe“. Im April 2004 ernannte ihn der „Verein Deutsche Sprache“ zu seinem Ehrenmitglied.

2004 erschien sein Buch „Gereimtes Leben“, das ausschließlich Gedichte und Liedertexte enthält  zwischen Scherz, Satire und Poesie und 2006 sein viertes Buch unter dem Titel: „BoneWitziges Satirikum“, in dem außer satirischen Erzählungen, Glossen und Kommentaren eine Fülle von Satire-Cartoons und Karikaturen enthalten sind. Sein fünftes Buch „Mein Kabarett-Menü“ wurde 2008 herausgebracht, in dem ausschließlich Texte aus seinen Kabarettprogrammen enthalten sind, sowie zahlreiche Auftrittsfotos und Cartoons.

Nach 25 Jahren trat er am 4. Februar 2005 anlässlich des 50-jährigen TV-Jubiläums noch einmal in der Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ auf: mit einer satirischen Persiflage als „Uralt-Aktiver“.

Im gleichen Jahr moderierte er erstmals ein Sinfoniekonzert der „Sinfonietta Mainz“ unter der Leitung von Michael Millard im Kurfürstlichen Schloss: den „Orchesterführer für junge Leute“ von Benjamin Britten und den „Karneval der Tiere“ von Saint-Saëns. Bei der Geburtstagsgala zum 40-jährigen Bestehen vom „unterhaus“ in der Phönixhalle wurde ihm die Rahmen-Moderation des Programms übertragen.

Am 7. Juli 2006 erhielt er für seine „virtuosen Grenzgänge zwischen allen Stilen“ einen „Stern der Satire“ auf dem „Walk of Fame“ des Kabaretts vor dem Eingang zum „unterhaus“. In Würdigung seines Lebenswerks wurde im Rathaus eine Ausstellung über sein Lebenswerk eröffnet mit dem Titel „Typisch Bonewitz“

Bei einer Umfrage-Aktion des SWR 2007 nach den 100 größten Rheinland-Pfälzern erreichte er Platz 33.

Ende 2010 präsentierte er sein 6. Buch, seine Autobiografie mit dem Titel „Ein Narr packt aus“ - Erinnerungen eines Mainzer Urgesteins. Ein Jahr später schon folgte sein 7. Buch „Sehnse, des is Määnzerisch!“, eine Sammlung origineller Dialektausdrücke, gereimt und mit Cartoons illustriert. Beide sind natürlich ebenfalls erschienen im Verlag seines Sohnes Michael.

Im „unterhaus“ trat er weiterhin sporadisch auf mit Lesungen aus seinen Büchern, ebenso wie in Mainz und in der näheren Umgebung  hauptsächlich mit Benefiz-Auftritten.

Viele Jahre war er Stammgast kurz vor Weihnachten zum Abschluss der beliebten Nachtvorlesungen in der Uniklinik, die organisiert werden von Prof. Dr. Christian Vahl. Er hatte ihn dafür scherzhaft zum „Doktor humoris causa“ ernannt und ihm mittlerweile die „Professur für Määnzer Dialektologie“ erteilt.

Im August 2011 konnte der Verein „Schöneres Gonsenheim“ den von ihm renovierten Maxborn der Öffentlichkeit präsentieren  finanziert durch Spenden, die Herbert Bonewitz bei seinem 75. Geburtstag gesammelt hatte.

Bei einem so genannten „Fastnachts-Ranking“ des SWR 2012 über die „größten Fastnachter aller Zeiten“ erhielt er (nach dem Stimmungssänger Thomas Neger) für seinen legendären Vortrag als „Prinz Bibi“ den zweiten Platz. Für 60-jährige Mitgliedschaft erhielt er vom Gonsenheimer Carneval-Verein eine Ehrennadel.

2013 erhielt er zu seinem 80. Geburtstag das silberne Stadtsiegel der Stadt Mainz - eine seltene und außergewöhnliche Auszeichnung, die ihm vom Oberbürgermeister der Stadt Mainz, Michael Ebling, überreicht wurde.   

Zu seinem größten Erstaunen ist seine Ehefrau Bärbel 2013 erstmals an Fastnacht aktiv geworden: Von den Stammtischfastnachtern „Die Allerscheenste“ wurde sie zur „Altersprinzessin“ gekürt. Ihr zur Seite stellte man „Prinz Schambes“  alias Dr.Johannes Gerster. Beide äußerten sich sehr zufrieden mit ihrer „Regierungszeit“, lehnten eine Wiederholung jedoch vehement ab.

Seine Hobbys dienten Herbert Bonewitz überwiegend der Erhaltung seiner geistigen Fitness: Studium von historischer Fachliteratur und Biografien, Schachspielen am Computer, Lösen von extrem schwierigen Rätseln. Mehr zur Entspannung gehörte dagegen das Lesen von Krimis und historischen Romanen, das Legen von Patiencen (am Computer), das Zeichnen von oft reichlich absurden und surrealistischen Schwarzweiß- und Color-Grafiken, sowie Fernsehen - allerdings nur von vorher penibel ausgesuchten Sendungen.

Nach zwei äußerst schwierigen Operationen im Jahre 2009 zog er sich mehr und mehr aus der Öffentlichkeit zurück, trat aber noch in Mainz und Umgebung in erster Linie zu Lesungen aus seinen zahlreichen Publikationen auf. Seine jüngsten Publikationen waren „Aus heiterem Himmel“ und „Spaß muss sein“.

Seine letzte Ehrung erhielt Herbert Bonewitz 2017, als er mit dem ersten Mainzer Medienpreis für „Nachhaltiges Mediales Wirken“ ausgezeichnet wurde. Aus diesem Anlass hat der Künstler Cyrus Overbeck einen Holzschnitt gestaltet, dessen Druckstock dem Gutenberg Museum übergeben wurde. Zu Ehren Herbert Bonewitz wurde der Preis im Rahmen der 250. Nachtvorlesung verliehen. 

Im selben Jahr gab er dann bekannt, dass er seine Bühnentätigkeit ab sofort beenden wird. Anfang August 2017 war er an einer schweren Infektion erkrankt und musste acht Tage lang auf der Intensivstation des Katholischen Klinikums Mainz behandelt werden. Nach fast dreiwöchigem Krankenhausaufenthalt und mehrwöchiger Reha war er zwar auf dem Weg der Besserung, sah sich aber durch diverse körperliche Einschränkungen – unter anderem dauerhafte Seh- und Gehbehinderung – außerstande wieder auf die Bühne zu gehen.

Am 29. April 2019 verstarb er um 13:25 Uhr auf der Intensivstation der Unimedizin im Kreise seiner Familie. „Wir bedanken uns besonders herzlich bei dem gesamten Team der Intensivstation der Unimedizin Mainz für die einfühlsame und fürsorgliche Betreuung und Begleitung, allem voran bei Prof. Dr. Christian Vahl.“ Hier lesen Sie den Nachruf.